Januar 2017: Der WOHL ODER ÜBEL Salon

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WOHL ODER ÜBEL Salon Januar 2017

WOHL ODER ÜBEL veranstaltete vom 5. bis 29. Januar 2017 einen kleinen Salon im Stadtteilwohnzimmer a.k.a. Art Store St. Pauli. So sah das aus:

Woche #1

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5.1. Do 20:00
Filmabend “Empire St. Pauli”; Fotoausstellung “Reeperbahn 157″; DJ: Franky Lion

empire_blankoDer Film von Irene Bude, Olaf Sobczak und Steffen Jörg setzte 2009 in St. Pauli eine Menge in Bewegung. Nach der ersten öffentlichen Vorführung im Park Fiction waren die Zuschauer so aufgewühlt, dass sie spontan eine Demo anmeldeten. Eine gute Gelegenheit sich zu erinnern, wie sich St. Pauli aufs Neue politisierte.

niebuhrhausDie Fotoausstellung von Frank Egel und Nico Spindler porträtiert die Bewohner des “Niebuhr-Hauses” in der Reeperbahn 157, in dem sich in den vergangenen Jahren der ganz normale Mietenwahnsinn ausgebreitet hat.

Franky Lion legt nach dem Film aus seiner famosen Single-Sammlung Reggae, Rocksteady, Ska und andere Schätzchen auf.

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Filmvorführung “Empire St. Pauli” im WOHL ODER ÜBEL Salon. Foto: Frank Egel
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Die Ausstellung “Reeperbahn 157″ im WOHL ODER ÜBEL Salon. Foto: Frank Egel

6.1. Fr 20:00
Lesung “Rock’n Roll, Tekkno und Dark Rooms”; Schaukasten “Die freie Stadt der Zukunft”

Charly König liest “Rock’n Roll, Tekkno und Dark Rooms”.
Ein Monolog über die 80er und 90er zwischen Schanze und Reeperbahn. Vom Autor der Gentriporn-Story “Asbestalarm im Nuttenbunker”.

nautilus_pbNiels Boeing stellt Thesen aus seinem Buch “VON WEGEN” vor und liest Passagen daraus – warum Henri Lefebvres Idee eines Rechts auf Stadt relevant ist, warum sich Bewohner*innen organisieren müssen, warum die Stadt der Ankommenden jetzt gegen die rechten Umtriebe erstritten werden muss.

Carl But Poppy legt im Anschluss aus seiner Anarcho Jukebox auf.

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Charly König las “”Rock’n Roll, Tekkno und Dark Rooms”. Foto: Frank Egel
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Niels Boeing las aus “VON WEGEN”. Bild: Tuul Enkhbat

7.1 Sa ab 18:00
“Vinyl-Salon / Waschen – Tauschen – Legen” mit Vinylaschmaschine und 7″-Gewinnspiel B-Seiten-Raten

Ein entspannter Abend für alle Vinyl-Liebhaber: Carl But Poppy wäscht eure Schallplatten, ihr tauscht die Platten, die ihr übrig habt, und legt eure neuen Funde auf.

Um 21:30 gibt es das beliebte 7″-Gewinnspiel “B-Seiten raten” (eine entschiedene Ü-35-Aktion).  [Das B-Seiten-Raten fiel wegen des Blitzeises, das viele zuhause bleiben ließ, aus und wird am 28.1. nachgeholt.]

Nachtgespräche im Salon
Nachtgespräche im Hinterzimmer des WOHL ODER ÜBEL Salons. Foto: Carl But Poppy
Plattenwaschen
Nachtschwärmer an der Plattenwaschmaschine. Foto: Carl But Poppy

8.1. So 16:00
Lesung “Weihnachten gehört allen!” von Leyla Yawari

Eine Nacherzählung der Weihnachtsgeschichte aus dem Koran von Leyla Yawari, die sie in ihrem gleichnamigen Buch veröffentlicht hat. Leyla, Ethnologin und Kulturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Naher Osten, forscht zurzeit an der Humboldt-Universität Berlin.

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Leyla Yawari las aus “Weihnachten gehört allen”. Anschließend wurde angeregt über Religion und Islam diskutiert. Foto: Tuul Enkhbat

 

Woche #2

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12.1. Do 20:00
Lesung “Blaue Nacht” von Simone Buchholz
DJ: Carl but Poppy

blaue_nacht_coverIn “Blaue Nacht” lässt Simone Buchholz ihre Protagonistin Chastity Riley zwischen Kiez und tschechischer Grenze ermitteln. Simones großartiger Krimi ist schnell, schmutzig und lakonisch und hat die Klasse von Jörg Fauser oder Celil Oker. Straight outta Wohlwillstraße. Unbedingt anhören!

Im Anschluss legt Carl But Poppy “Crime Grooves” auf.

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Simone Buchholz ins Publikum vertieft, bevor es losgeht.
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Die “Blaue Nacht” hat begonnen: Chastitiy Riley, der Faller, Klatsche, Carla und der Calabretta werden vorgestellt.
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Hinrich Schultze vor seinen Fotos aus alten Tagen: Die Wohlwillstraße wird von der Polizei belagert.
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Making of.
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Außenansichten.

13.1. Fr 20:00

Filmabend “Wem gehören unsere Städte?” von Claire Laborey
DJ: Mune_Ra

wem-gehoeren-unsere-staedteIn ihrer arte-Dokumentation zeigt Claire Laborey Stadtbewegungen in Hamburg, Berlin, London, Istanbul. Im Hamburger Part begleitete Claire einige Aktivist*innen während des Gefahrengebiets 2014. Ein tolles Porträt des Aufbegehrens gegen den Ausverkauf der Städte.

mune_raIm Anschluss legt Mune_Ra, der die “What’s Wrong with Groovin'”-Reihe im Golem organisiert hat und am 14.1. “JuJu” in der Hamburger Botschaft präsentiert, Hiphop, Funk, Afrobeat und anderes auf.

 

14.1. Sa 20:00
Frank Spilker spielt Songs; Film „Das ist unser Haus!“;
DJ: Thee International Idiot

Darüber freut sich WOHL ODER ÜBEL ganz besonders: Frank Spilker (Die Sterne) eröffnet den Abend mit einigen Songs aus seinem Repertoire.

das-ist-unser-haus_filmDanach zeigen wir die brandneue Dokumentation von Burkhard Grießenauer, Daniel Kunle und Holger Lauinger “Das ist unser Haus!” (64 min.). Der mittels Crowdfunding finanzierte Film stellt das Mietshäuse Syndikat vor. Vor 25 Jahren in Freiburg gegründet, umfasst es inzwischen fast 100 Häuser, die dank einer geschickten Rechtsform dem Immobilienmarkt und damit der Spekulation entzogen sind.

Im Anschluss begibt sich Thee International Idiot an die Turntables!

Frank Spilker eröffnet.
Frank Spilker eröffnet.
Universal Tellerwäscher
Universal Tellerwäscher. Foto: Carl But Poppy
Frank Spilker im WOHL ODER ÜBEL Salon
Verstehen ist nicht dasselbe wie überstehen (aber auch schön). Foto: Carl But Poppy
Wenn Dir St. Pauli auf den Geist fällt. Foto: Carl But Poppy
Wenn Dir St. Pauli auf den Geist fällt.
Foto: Carl But Poppy
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Die Zugabe: “Es sieht gut aus.” Yes. Foto: Carl But Poppy
Polaroid CUBE
Das kleine Raucherkino in der Wohlwillstraße. Film ab: “Das ist unser Haus!” Foto: Carl But Poppy
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Nachts im Salon. Foto: Carl But Poppy
WOHL ODER ÜBEL Salon
Und immer wieder: das Fenster! Foto: Carl But Poppy
Late night with Thee International Idiot. Foto: Carl But Poppy
Late night with Thee International Idiot.
Foto: Carl But Poppy

15.1. So 16:00
Klönen Planen Weitermachen

Treffen verschiedener Initiativen aus St. Pauli zum Austausch über Ideen und Strategien.

 

Woche #3

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19.1 Do 20:00
Filmabend “Miete Essen Seele auf” – Film über Kotti & Co von Angelika Levi; DJ: Ralf Köster (Golden Pudel Club)

miete-essen-seele-auf-7Die Mieterinitiative Kotti & Co ist eines der herausragenden Beispiele, wie sich Bewohner*innen über alle Milieus und Herkünfte hinweg organisieren und Gehör verschaffen. Der Film von Angelika Levi zeigt sehr schön, warum Kotti & Co für WOHL ODER ÜBEL eine wichtige Inspiration ist. Ihre Arbeit hat neue Maßstäbe in städtischen Auseinandersetzungen gesetzt.

Im Anschluss legt Ralf Köster, eines der Urgesteine des Golden Pubel Club, “Bewahrer der wenig respektierten Tonträger und Schweinepriester des großen Rillenkäs”, auf. Yo!

20.1. Fr 20:00
Ausstellung “Podge Art” von Alexandra Crémant; DJ: Anita Bonita

podge-art_Nuevo037Alexandra Crémant aus Barcelona bearbeitet Bilder von Promis mit der Podge-Art-Technik. Wer ein Faible für Grace Kelly, Sophia Loren und andere Diven hat, im Art Store St. Pauli sind sie ab Freitag zu besichtigen.

DJane Anita Bonita haut euch dazu 80er-Mucke um die Ohren.

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The Golden Age & Alexandra Cremant. Foto: Ana Bonita
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The artist with Debbie Harry. Foto: Ana Bonita

 

21.1. Sa ab 12:00
The Golden Age Bazar; DJ: The Mermaid

the_golden_ageThe Golden Age Bazar bringt Euch Kleider und Streetwear aus Spanien und Portugal. Ana Amil, die den Bazar macht, fing vor einigen Jahren, auf Märkten zu stöbern und kleine Labels nach Deutschland zu importieren. Es handelt sich größtenteils um Einzelteile aus Spanien und Portugal, seit 2015 wird aber auch aus anderen europäischen Ländern importiert. Den ganzen Samstag bis 20:00 h im WOHL ODER ÜBEL Salon.

Danach legt die umtriebige DJane The Mermaid auf, die im Nachtleben von St. Pauli an vielen Orten zu finden und zu hören ist.

 

Woche #4
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26.1. Do 20:00
Konzert Sabine Metzger Sextett; Ausstellung: Silvana Lehmann; DJ: Annazone

sabinemetzgersextexttFrau Hedi beschrieb die Band so: “Ohne Angelschein betreibt das Sabine Metzger Sextett (ex-MG Relax, ex-Das Flamingo, Ex-Flaming Stars, ex-The Ex (ach nee, das waren andere, sorry)) ungeniert musikalische Dynamitfischerei im Hauptstrom sowie in den abgelegensten Privatgewässern. Einmal an der Oberfläche dümpelnd, werden die hervorgebrachten Kadaver mit einer Art groben Schmiersalbe auf halbseidenen Perlglanz poliert.”

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Die Ausstellung dieses Wochenendes kommt von der Illustratorin Silvana Lehmann, auch straight outta Wohlwillstraße!

Im Anschluss legt DJane Annazone auf und beweist, dass auch die 1980er gute Musik hervorgebracht haben.

Offen ab 20:00, los geht’s nicht vor 20:30.

 

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Das Sabine Metzger Sextett am Start. Foto: Nicole Winkelhake
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Yeah! Foto: Nicole Winkelhake
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Dancefloor. Foto: Nicole Winkelhake

 

27.1. Fr 20:00

Schaukasten “SITUATIONEN HERSTELLEN!” mit Christoph Schäfer und Booty Carell; DJ: Booty Carell

OLYMPUS DIGITAL CAMERAPlatten, Pastellkreide, Recherche, T-Shirts, Handwerkszeug und Charme: Wie schafft man Situationen, die unwahrscheinliche Begegnungen wahrscheinlicher machen?

Booty Carrell und Christoph Schäfer stellen 2 Projekte und 1 Gemeinsames vor: New Hamburg auf der Veddel, Die Einwohner von Uchisar und die Kooperation Stüdyo Mistranslasion beim Kunst-und-Musik-Festival Cappadox in Anatolien:

“Back in town, in an empty shop-front near the main square, artist Christoph Schäfer and his compatriot DJ Booty Carrell created Stüdyo Mistranslasion.” schreibt Amy Sherlock darüber in frieze. “While Carrell span records from his extensive collection 1970s Anatolian funk, Schäfer painted the walls with an acid dream of mythical creatures and flying saucers: local lore and Byzantine iconography re-imagined and expanded. Stüdyo Mistranslasion was about music as migration: beats borrowed and recombined; things distinct but shared – including by the guys sweeping the street outside, who came in to listen and discuss, only to return later with music unknown to Schäfer and Carrell. Of all the projects, this felt the most supple: the best attuned to both the possibilities of dialogue (even when wordless) and the realities of its failure.”

Booty Carrell ist Musiker, DJ und war Musikdirektor von New Hamburg auf der Veddel.
Christoph Schäfer ist Künstler, Zeichner und aktuell Teil des Teams der PlanBude auf St. Pauli.

Beide stellen die Projekte auch als Anregung für die von Wohl oder Übel geplante selbstorganisierten Übernahme der bald schließenden Gewerbeschule am Paulinenplatz vor – denn dabei wird es zentral darum gehen, wie Orte des Treffens, des Austauschs gestalten werden können – und durch und für wen?

Türen auf ab 20:00, los geht’s gegen 20:30.

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Sebastian Reier aka Booty Carell über seinen Einsatz beim Cappadox Festival im Stüdio Mistranslasyon. Foto: Carl But Poppy
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Christoph Schäfers Wandzeichnung im Stüdio Mistranslasyon wurde von Gülden Karaböceks Kleid auf ihrem Plattencover aus den 1970ern inspiriert. Foto: Carl But Poppy
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Booty Carell erfreut das Publikum mit türkischem Pop der 1970er. Foto: Carl But Poppy

 

28.1. Sa
Film: “Die Situationistische Internationale 1957 – 1972″; Lesung: Markus Gölzer; Aktion: B-Seiten-Raten mit Carl But Poppy

situs-dokuZuerst zeigen wir eine kurze Doku über die Situationistische Internationale (1957 – 1972) – den Erfindern des dérive, des Situtationen-Herstellens, die so einiges in den heutigen Stadtbewegungen inspiriert haben. Ca. 20:45. Mit einer kurzen Einführung von Roberto Ohrt (“Phantom Avantgarde”).

markus_lesungDann freuen wir uns dolle, dass Markus Gölzer einige Geschichten liest, zu Bildern von Frank Egel. Markus erzählt von den Tanzenden Türmen, von der Elbphilharmonie… Er erfindet da seit einiger Zeit ein neues Genre: Stadt-Fabeln, in denen Häuser selbst zum Leben erwachen. Wird Zeit, dass das als Buch rauskommt. Ca. 21:45

Last but not least gibt es dann doch endlich noch das wegen Blitzeis verschobene B-Seiten-Raten von Carl But Poppy – das 7″-Gewinnspiel. Drei Preise liegen schon eingepackt im Hinterzimmer des Art Store. Ca. 23:00

Danach – Diskussionen, Musik, hoch die Tassen.

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Mit Roberto Ohrt (“Phantom Avantgarde”) im Gespräch über die Situationistische Internationale. Foto: Mara Calenic
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Markus Gölzer liest. Foto: Mara Calenic
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Z.B. über Kai & Elphi. Foto: Mara Calenic
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Oder die Tanzenden Türme. Foto: Mara Calenic
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Angestrengtes Zuhören beim B-Seiten-Raten. Foto: Mara Calenic
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War doch ganz einfach, behauptet Carl But Poppy; geglaubt hat es ihm keiner. Foto: Mara Calenic

 


Großes Dankeschön von WOHL ODER ÜBEL an:

Irene Bude, Olaf Sobczak, Steffen Jörg, Frank Egel, Charly König, Leyla Yawari, Simone Buchholz, Claire Laborey, Mulugeta Nerayo, Hinrich Schultze, Frank Spilker, Holger Lauinger, Thee International Idiot, Angelika Levi, Alexandra Cremant, Anna Bartsch, Sabine Metzger Sextett, Christoph Schäfer, Booty Carell, Markus Gölzer, Silvana Lehmann und Roberto Ohrt sowie hinter den Kulissen Jan vom Suicycle und Karl Hilse (der Raum), Daniel Ullerich (das Eis), Muy von Mr. Kebab (die Bänke, die Gläser), Antje Ludwig und Ulrike Holle (die Stühle), Wein und Boules (der Wein), Fab Lab Fabulous St. Pauli (die Kaffeemaschine, die Leinwand) und alle Nachbar*innen (die Geduld – war ja doch nicht so leise).

Der nächste WOHL ODER ÜBEL Salon findet voraussichtlich am ersten Mai-Wochenende statt.

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